Zum 100. Geburtstag von Hans-Bernd von Haeften

18. Dezember 1905 – 15. August 1944


Quelle: Auswärtiges Amt

Hans Bernd von Haeften wuchs zusammen mit einer älteren Schwester Elisabeth und dem jüngeren Bruder Werner in Berlin auf. Den Konfirmandenunterricht bei Martin Niemöller, Pfarrer in Berlin-Dahlem und später Initiator der Bekennenden Kirche, besuchte er zusammen mit den Geschwistern Sabine und Dietrich Bonhoeffer. Zu ihnen blieb die Verbindung bis zum Tode bestehen.

Ab Herbst 1924 studierte er Rechtswissenschaft in Berlin und München. 1928/29 war er Austauschstudent in Cambridge. Haeften erkannte schon als Student die Gefahr des Nationalsozialismus, obgleich die grausamen Konsequenzen damals noch nicht im ganzen Ausmaß vorauszusehen waren. Er begann 1930 beruflich als Hilfsangestellter im deutschen Konsulat in Genf. Im gleichen Jahr heiratete er Barbara Curtius. Als er 27-jährig nach längerer Wartezeit eine Stelle im Auswärtigen Amt erhielt, war Hitler gerade zum Reichskanzler ernannt worden. Haeftens berufliche Stationen waren Kopenhagen, Berlin, Wien, Bukarest und wieder Berlin.

Seit er in Wien die Konfrontation mit einem korrupten NS-Parteiangehörigen gewagt hatte, war Haeften gefährdet. Das Auswärtige Amt versetzte ihn nach Bukarest. Dort gehörten auch die Angelegenheiten der deutschen Minderheit zu seinen Aufgaben. Haeften stand der evangelischen Michaelsbruderschaft nahe, ohne ihr anzugehören. In Siebenbürgen fanden gerade schwere Auseinandersetzungen zwischen den Parteiungen der Deutschen statt. Haeften hatte einen scharfen Blick für die politisch schwierige Situation, in der sich die Kirche der Siebenbürger Sachsen befand, als der Nationalsozialismus im deutschsprachigen Ausland immer weiter vordrang. Sie geriet sowohl von innen als auch von außen in große Gefahr. Haeften ging bei der Stärkung oppositioneller und besonnener Kräfte bis an die Grenze des ihm von Amtswegen Möglichen.

Im Krieg wurde Haeften nach Berlin berufen. Er traf dort Adam von Trott wieder, den er 1933 in Oxford kennen gelernt hatte und der ihn mit Helmuth James von Moltke bekannt machte. Mit seiner Frau hatte Haeften vereinbart „Nichts Schriftliches über Politik“, so überschrieb Barbara von Haeften ihren Lebensbericht (von Haeften 1997). Moltke erwähnt Haeften in den „Briefen an Freya“ oft: „Die Unterhaltungen mit Trott und Haeften waren sehr befriedigend... Es ist eine große Anstrengung solche Leute für ‚die große Lösung’ zu gewinnen, weil sie zu sehr die Routine kennen. Ist es einem dann aber ein Mal gelungen, dann hat man auch einen zuverlässigen Wegbegleiter – ich meine Haeften“ (von Moltke 1988, S. 244) Er sei ein „angenehm kluger, ruhiger und aufrechter Mann“ (S. 402). An den drei Besprechungen in Kreisau nahm Haeften seiner exponierten Stellung wegen nicht teil. Aber er tauschte sich mit seinem Bruder, Werner aus, der nach schwerer Kriegsverwundung Adjutant Stauffenbergs war. Haeften hätte es lieber gesehen, wenn die hohen Militärs statt des Attentates Hitler zu Beginn des Krieges festgesetzt und ihm den Prozess gemacht hätten. Am 15. August stand Haeften vor dem Volksgerichtshof. Freisler hielt ihm seinen Eid vor. Haeften begründete, warum er sich nicht mehr an ihn gebunden gefühlt habe: „Nach der Auffassung, die ich von der weltgeschichtlichen Rolle des Führers habe, nämlich, dass er ein großer Vollstrecker des Bösen ist, war ich der Auffassung ...“ (Haeften 1997, S. 86). Freisler suchte, wie aus der Filmaufzeichnung hervorgeht, überrascht nach einer Antwort; denn dieses Wort setzte die Anklagevertreter selbst auf die Anklagebank. Er brach das Verhör bald ab. Das Urteil wurde am gleichen Tag verkündet und vollstreckt. Drei Wochen vorher war Haeftens fünftes Kind, die Tochter Ulrike, getauft worden.

Haeftens kühnes Wort im Angesicht des Todes und sein Bild, das ein Fotograf während der Verhandlung gemacht hatte, stehen heute als ein bedeutendes Zeugnis der Wahrheit zu recht in Krzyżowa (Kreisau) am Eingang der ständigen Ausstellung zum deutschen und zum polnischen Widerstand.

 

Andreas Möckel    

 

Literatur


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