KREISAU - INITIATIVE e.V.

M I T T E I L U N G E N

15 Würzburg April 2004



Inhalt

Grußwort des Vorsitzenden

Vorankündigung: 20. Juli 2004

Rückblick: Gedenkveranstaltung zu Georg Elser am 20. Juli 2003

Tagung "Unverbindlichkeit als Orientierung im 21. Jahrhundert?"

Zur Situation der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung

Veranstaltungshinweise



Grußwort des Vorsitzenden

Liebe Mitglieder und Freunde der Kreisau-Initiative,

Vergangenes Jahr am "Tag der deutschen Einheit" sendete der WDR eine interessante Fernseh-Reportage: Ein junger Portugiese, Journalist beim WDR in Köln, hatte sich zum Ziel gesetzt, soziale Herkunft und Situation ostdeutscher Rechtsradikaler zu untersuchen; nicht wissenschaftlich, sondern mit Kamera und Mikrofon.- In einer Kneipe in einer heruntergekommenen Plattenbausiedlung trifft er auf einen jungen Mann, kahlrasiert, der sich für einen Neonazi ausgibt. Nennen wir ihn "Hans". Der Journalist – nennen wir ihn "Jago", kommt mit ihm ins Gespräch, der junge Mann ist offenherzig. Er sei arbeitslos, seinen Vater kenne er nicht. Die Mutter hält die Familie über Wasser, sie hat noch einen jüngeren Sohn; der ist noch zu jung (?), um Neonazi zu sein. Wie alt Hans ist, will er nicht sagen; er wirkt aber kaum älter als 19 oder 20. Er ist nicht groß, wirkt eher schmächtig und nicht besonders gesund. Ins Mikrofon sagt er dem Portugiesen Jago (dessen genauere Identität er nicht kennt), man müsse die Ausländer schlagen, dazu seien sie da. "Immer rin" sagt er; er sagt nicht, warum man sie schlagen müsse. Jago lädt den Kahlrasierten in sein Auto, um seine Nazilieder-Sammlung anhören zu können. Gemeinsam fahren sie durch die Stadt. – Dieser Portugiese hat sich zugetraut, wovor viele Deutsche sich fürchten würden: Mit einem Neonazi zu reden. Und er konnte feststellen, daß da ein Mensch ist. Ein Mensch, dem die Liebe und das Vorbild seines Vaters verweigert wurde. Ein Mensch, der in seiner Heimat keine Arbeit findet. – Nachdem die Sendung aus ist, schalte ich das Radio ein: Konstantin Wecker singt von bösen Neonazis. Ich kann das jetzt nicht anhören. Es klingt auf einmal so hohl, so lebensfern, so aufgesetzt. Ob Wecker mal so einen Menschen besucht hat wie der Journalist in der Reportage? Ich glaube, kaum. Was wissen wir über die Menschen in den neuen Bundesländern? Interessiert uns ihr Schicksal? – Betrachtet man die sozialen Umstände, in denen sich ein Großteil der Deutschen 1933 befand, so muß einem dies für die Gegenwart zu denken geben. -Geschichte ist dazu da, daß wir aus ihr lernen. Möglichkeiten dazu gibt es auch in diesem Jahr wieder: Ich lade Sie und Euch herzlich zu unseren Veranstaltungen am 8.Mai (Einkehrtag in Würzburg), am 20.Mai (Fahrt nach Kreisau) sowie am 20. Juli (Gedenktag) nach Nürnberg ein und wünsche uns allen einen fruchtbaren Austausch, gute Zusammen-arbeit und ein frohes Osterfest 2004.

Gregor Wolf.

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Vorankündigung: 20. Juli 2004

Unsere jährliche Gedenkveranstaltung zum 20.Juli findet in diesem Jahr im Dokumenta-tionszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg statt. In diesem Jahr tritt Polen der Europäischen Union bei. Wir gedenken an 60 Jahre Attentat 20. Juli und 60 Jahre War-schauer Aufstand. Wir konnten Dr. Krzysztof Ruchniewicz, den Leiter des Willy-Brandt-Zentrums Wroclaw für einen Vortrag unter dem vorläufigen Thema "Deutscher Widerstand im Bewußtsein der Polen" gewinnen. Genaueres erfolgt in einer gesonderten Einladung.

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Rückblick: Gedenkveranstaltung zu Georg Elser am 20. Juli 2003

Im Juni vorigen Jahres hatten wir einen sehr fruchtbaren Gesprächsaustausch mit der Stiftung Adam von Trott in Imshausen. Herr Krause machte uns auf die Schauspiel-gemeinschaft Heidenheim aufmerksam, die wir für unsere Gedenkveranstaltung zum 20. Juli 2003 in Würzburg gewinnen konnten. Eine szenische Collage würdigte den Hitler-Attentäter Georg Elser aus Heidenheim. Wir erlebten eine packende Begegnung, in der das Zeitgeschehen lebendig gemacht wurde. Der Schauspieler Gino Pommerenke und Manfred Maier, Vorsitzender des Elser-Arbeitskreises in Heidenheim, setzten Verhör-protokolle der Gestapo in Szene um, während dazwischen der Jazzmusiker Harry Berger mit dem Saxophon spannende musikalische Akzente setzte. Das authentische Porträt hinterließ bei uns einen nachhaltigen Eindruck. Zusammen mit dem Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus luden wir die Schauspielgemeinschaft im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zum 65. Jahrestag der Pogromnacht nach Fürth ein. Am 21. und 22. Oktober gastierten sie vier Mal in Fürther Schulen und bei einer öffentlichen Abendveranstaltung im Logenhaus. "Elser stand vielen im Wege, die behaupteten, man habe allein gegen Hitlers Machapparat nichts ausrichten können", brachte es der Autor Manfred Maier nach einem Gespräch mit Gymnasiasten auf den Punkt. Manfred Maier ist Mitglied der Kreisau-Initiative Würzburg geworden. Seine Gruppe ist inzwischen schon in Krakau aufgetreten. Vielleicht gelingt einmal eine Aufführung in Kreisau.

Franz Fisch

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Vom 30. Januar bis zum 1. Februar 2004 veranstaltete die Akademie Frankenwarte
in Verbindung mit der Kreisau-Initiative e. V. Würzburg eine Tagung zum Thema

Unverbindlichkeit als Orientierung im 21. Jahrhundert?
Eugen Rosenstock-Huessy - Pionier einer realistischen Soziologie

Der so genannte Kopftuchstreit offenbart ein Dilemma, das tiefer liegt, als es die Debatte erscheinen lässt, weil in der Diskussion rechtliche, religiöse, politische und soziale Gesichtspunkte durcheinander geraten. Wie kann man zu einer befriedigenden gesellschaftlichen Ordnung kommen, wenn gesellschaftliche Probleme mit einem sakralen Recht nicht mehr zu lösen sind? Offensichtlich müssen Begriffe der öffentlichen Diskussion geprüft und geklärt, vielleicht muss sogar eine neue gemeinsame Diskussionsebene gefunden werden, ehe man auf die Lösung strittiger Probleme hoffen kann - ein langwieriger Weg.

Das Seminar, an dem etwa 25 Personen teilnahmen, ging von der Soziologie Eugen Rosenstock-Huessys und dessen Kategorie der "Ungleichzeitigkeit der Zeit-genossen" aus. Dr. Wolfgang Ullmann vertrat die These, dass staatliche Regelungen auf manchen Gebieten der Gesellschaft zwar notwendig, aber gesetzlich gar nicht möglich sind, wie die langfristigen Regelungen zum Kalender, zu einer die Frauen nicht dis-kriminierenden Sprache, zur Beziehung der Geschlechter und zum Verhältnisses der Religionen zu einander. Er grenzte sich gegen deskriptiv konzipierte Soziologien ab und befürwortete in einem kühnen Entwurf die Neuordnung der Universitätsfakultäten, der jedoch aus Zeitmangel nicht in angemessener Weise diskutiert werden konnte. Soziologie solle als normative Wissenschaft konzipiert werden. Normativität fehle als Gesichtspunkt bei Max Weber und das führe zu dem zweideutigen "grässlichen Dualismus" einer - gesinnungslosen? - Verantwortungs- und einer – verantwortungslosen? – Gesinnungs-ethik. Ebenso zweideutig seien auch die Typen Webers, wie der charismatische Typ, der von Jesus bis zu germanischen Berserkern alles einschließen könne.

Lise van der Molen (Niederlande) berichtete, wie in den Niederlanden die von Rosenstock-Huessy und Rosenzweig gefundene dialogische Methode rezipiert worden war und zunächst dort zur Klärung des Verhältnisses von Juden und Christen half und dann darüber hinaus bis in die konziliare Bewegung der katholischen Kirche hinein wirkte. Dr. Rudolf Hermeier sprach über das Frühwerk des Berliner Soziologen Dietmar Kamper, das von Rosenstock-Huessys wissenschaftlicher Methode mit bestimmt worden ist. Kamper wendete sich anthropologischen Themen, besonders der Auswirkung der Virtualität moderner Medien zu. Dr. Eckart Wilkens, führte in die vor einem Jahr erschienen Briefe Franz Rosenzweigs an Margrit Rosenstock-Huessy ein, die den Hintergrund des Hauptwerks "Stern der Erlösung" und zugleich die Zeit des politischen Zusammenbruchs in Deutschland in den Jahren 1918 und 1919 beleuchten.

Die Frage nach den Kategorien einer orientierenden, gesellschaftswirksamen Soziologie in Krisensituationen musste verständlicherweise offen bleiben. Um das Problem zu zeigen, um das es Ullmann – etwa bei Anarchie - ging, formulierte er pointiert: "Und wenn der Volksmund sagt, die Wirtschaft regiert, dann kann ich nur sagen, die regiert eben nicht. Sondern die macht Geschäfte, aber regieren ist etwas völlig anderes, als Geschäfte machen. Und wenn die Regierungen sich beteiligen am Geschäfte machen – das haben sie ja jetzt gerade wieder in China und in Afrika gesehen, wo die Regierungschefs als PR-Agenten herumreisen –, das ist doch nicht regieren, das ist Anarchie."

Die Diskussion im Anschluss an das Hauptreferat zur Frage einer zukünftigen, orientierenden, also normativen Soziologie blieb verständlicherweise offen. Das Thema war zu groß, die Teilnehmer des Seminars erkannten jedoch die Ausmaße des Problems. Die Diskussion am Beispiel des Kopftuchstreites kann in drei Thesen zusammengefasst werden, über die Konsens bestand: 1. Der Zugang zum Schuldienst an öffentlichen Schulen darf nicht von der Religion eines Bewerbers abhängig gemacht werden; das Grundgesetz verbietet eine Benachteiligung wegen der Religion. 2. Konflikte, wie im Falle von Frau Ludin, sollten schon in den Schulen von der Schulleitung geklärt und gelöst und der Anspruch der Eltern auf einen Unterricht ihrer Kinder ohne Indoktrination berücksichtigt werden. 3. Bei einer Ungleichbehandlung der Religionsbekenntnisse durch die Länder in Ländergesetzen sei die Anrufung des BVG in Karlsruhe wahrscheinlich. Es werde vermutlich im Sinne eines konsequenten, verfassungskonformen Laizismus in öffentlichen Schulen entscheiden; denn es müsse nach der Verfassung die Gleichbehandlung der Religionen durchsetzen. Ob das wünschenswert sei oder nicht, wurde im Seminar nicht ausdiskutiert.

Kritisch wird man zur Ausführung des Seminars sagen müssen, dass zwei Referenten sich stärker am Hauptthema hätten ausrichten und die unterschiedlichen Vorkenntnisse der Teilnehmer sorgfältiger hätten berücksichtigen sollen. Für die Gruppenarbeit hätte kein eigener Text ausgegeben werden müssen. Das Hauptreferat bot reichlich Material für Aussprachen. Die Diskussion litt unter der Doppelaufgabe, eine anspruchsvolle Methodendiskussion zur Klärung von Begriffen zu führen und zugleich nach der Lösung eines konkreten, sozialen Konfliktes mit Hilfe der – noch nicht ausdiskutierten – soziologischen Methode zu suchen.

Andreas Möckel

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Aus der Erklärung der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung

zur Debatte um ein "Zentrum gegen Vertreibungen" vom Herbst 2003:

»Vertreibungen, Zwangsumsiedlungen und Deportationen sind Unrecht. Die besonderen Herausforderungen bei der Beschäftigung damit bestehen darin, einerseits dem individuellen Schicksalen der Betroffenen gerecht zu werden und andererseits die zeithistorischen Zusammenhänge, Ursachen und Wirkungen nicht aus dem Blick zu verlieren.
Die Stiftung Kreisau geht dieser Aufgabe mit Jugendbegegnungen, Zeitzeugengesprächen und historisch-politischer Bildung nach. Ausgehend vom Erbe des 'Kreisauer Kreises' beschäftigen wir uns mit dem Widerstand und Opposition gegen Diktaturen, die Quelle des Unrechts, sowie mit den Fragen der Zivilcourage und der individuellen Haltung gegenüber Ungerechtigkeit. Zwangsmigrationen sind leider keine Geschichte sondern ein immerzu aktuelles Problem in Europa, für das man die Jugend wie die Gesellschaften in Ost und West sensibilisieren soll.«

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Zur Situation der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung

Kreisau heißt die Verpflichtung unserer Initiative. Das zeigen die Veranstaltungen, die wir als Tagungen oder Gedenkveranstaltungen zum 20. Juli durchführen und die den Widerstand gegen Hitler thematisieren und mit Forderungen wie europäische Integration und Zivilcourage die Lehren für heute daraus ziehen. Die Verpflichtung Kreisau heißt aber auch, den Ort Krzyzowa in Polen und die Stiftung Kreisau für europäische Verständigung kritisch zu begleiten. So sind wir auch im Kreisauer Stiftungsrat vertreten. Ein kritischer Zugang war dabei oft nötig, weil die Idee von Kreisau als einem europäischen Ort der Begegnung verschieden verstanden werden kann und immer wieder mit handfesten Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Eines dieser schwierigen Kapitel ist sicherlich die finanzielle Situation. Da sich eine Jugendbegegnungsstätte kaum von selbst tragen kann, ist neben Bemühungen um Fördergelder in Kreisau in den letzten Jahren zusätzlich der Bereich "Marketing" eingerichtet und ausgebaut worden, der Besuchergruppen aller Art nach Kreisau bringen soll, um mit diesen Einnahmen die inhaltlichen Programme von Begegnungsstätte und Bildungsarbeit finanziell zu unterstützen. Das gleiche Ziel verfolgt das sog. EUROPEUM, das Gebäude der Stiftung Kreisau im Zentrum der Stadt Breslau (ca. 60 km von Krzyzowa) mit Geschäftsräumen und einem Hotelbetrieb. Trotz all dieser Bemühungen hat sich die finanzielle Situation der Stiftung nicht gebessert, sondern zugespitzt. Das EUROPEUM etwa bringt der Stiftung Kreisau bislang nur Probleme und rote Zahlen. Zugleich hatten wir den Eindruck, dass Kreisau nicht das Profil hat, das wir uns wünschen. So war es beispielsweise nur selten möglich, aktuelle Themen in Kreisau zu platzieren und auf europäischer Ebene zu diskutieren. Im deutsch-polnischen Austausch ist Kreisau zwar nicht unbekannt, spielt aber auch nicht die Rolle, die ihm zusteht. Immerhin trug die deutsch-polnische Versöhnungemesse mit Bundeskanzler Kohl und Ministerpräsident Mazowiecki, die im November 1989 in Krzyzowa stattfand, wesentlich zum Durchbruch in den Beziehungen unserer beiden Länder bei.

Diese geschichtlichen und organisatorischen Tatsachen bilden den Hintergrund für die großen Veränderungen, die im vergangenen Jahr 2003 in der Stiftung Kreisau in Polen durchgeführt wurden. Ein Wendepunkt war im Frühling 2003 erreicht, als der neue Vorstand gewählt wurde. Es kandidierten Persönlichkeiten des deutsch-polnischen Austauschs, Spezialisten für Finanzen, Medien, Verwaltung, alte Freunde Kreisaus und interessante "Neuentdeckungen". Noch nie, so hieß es bei den Kennern der Stiftung Kreisau, habe es so viele so gute Kandidaten gegeben. Das Ergebnis der Wahl war ein neuer Vorstand, der in seiner Mehrheit aus jüngeren Personen bestand, die Kreisau aus eigener Arbeit gut kennen, wie etwa Stephan Erb, der erste deutsche Bildungsreferent der Kreisauer Jugendbegegnungsstätte, der später bei der Robert-Bosch-Stiftung für den Bereich Freiwilligendienste arbeitete oder Dr. Agnieszka von Zanthier, die das von der Berliner Kreisau-Initiative eingerichtete sogenannte Verbindungsbüro in Berlin betreibt, das auch unsere Initiative mit unterstützt hat und die sehr erfolgreich viele Kontakte und Unterstützung für Kreisau gewinnen konnte. Ewa Unger, eine der Gründerinnen der Stiftung Kreisau, ihre langjährige Vorsitzende und eine Person, die für viele das Gesicht der Stiftung war, kandidierte nicht mehr für das Amt der Vorsitzenden. Zu ihrem Nachfolger wurde Marek Pernal, ehemaliger polnischer Botschafter in Prag, mit fast allen Stimmen gewählt. Ewa Unger kandidierte jedoch für einen regulären Sitz im Vorstand, wurde aber nicht gewählt. Dies war wohl die größte Überraschung dieser Wahl.

Der neue Stiftungsvorstand entschloss sich schnell zu starken Einschnitten, um die finanzielle Situation der Stiftung in Griff zu bekommen. Dabei standen - nach Wunsch des Stiftungsrates - besonders die Verwaltungskosten auf dem Prüfstand. Einige Stellen wurden gestrichen, anderen Mitarbeitern wurden veränderte Stellenbeschreibungen angeboten und allen Mitarbeitern wurden die Gehälter gekürzt. Unter anderem hat der bisherige Generalsekretär der Stiftung, Edward Wasiewicz, nachdem er das Angebot, ausschließlich die Europäische Akademie zu leiten, abgelehnt hatte, im Herbst die Stiftung verlassen. Die Geschäftsleitung wurde verkleinert und umstrukturiert. Sie besteht nunmehr aus den Leitern der inhaltlichen Arbeitsbereiche der Stiftung der Jugendbegegnungsstätte (Rafal Borkowski) und der Gedenkstätte (Annemarie Franke). Eine neue Analyse über die Wirtschaftlichkeit des EUROPEUMS kommt zu dem Ergebnis, daß es sich durchaus zu einem gewinnbringenden Objekt der Stiftung Kreisau entwickeln könnte, was aber erneute Umbaumaßnahmen erfordert. Schon im August 2003 trat der Vorsitzende der Stiftung, Marek Pernal, von seinem Amt zurück. Er erklärte, dass er bei den momentanen Schwierigkeiten der Stiftung Kreisau einen ehrenamtlichen Vorstand, wie den bestehenden für ungeeignet halte. Mit seinem Rücktritt wolle er eine Nachwahl ermöglichen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat aber auch er, die Kürzungen und Einschränkungen mitgetragen. Momentan steht an der Spitze der Stiftung Kreisau ihr bisheriger stellvertretender Vorsitzender Jürgen Telschow.

Nach den Veränderungen des Jahres 2003 ist die Stiftung Kreisau eine andere geworden. Dieser beileibe nicht einfache Prozess und wie es dazu kam (besonders die Wahlen zum Stiftungsvorstand im Frühling 2003) schlägt immer noch Wellen. Zwei Mitglieder des alten Stiftungsvorstandes, Ewa Unger und Theo Mechtenberg, sowie der ehemalige Generalsekretär der Stiftung, Edward Wasiewicz haben Ende Februar 2004 einen Brief an alle Mitglieder der Stiftungsgremien und der Unterstützerorganisationen, zu denen ja auch unsere Initiative gehört, geschrieben, in dem sie ihre Sicht der Dinge darstellen. Den Brief und die Antwort von Stiftungsrat und -vorstand können Sie bei mir (oliver.engelhardt@gmx.de) bekommen.

Es ist ein gutes Zeichen, daß in diesen unruhigen Zeiten bunte und lebendige inhaltliche Arbeit in Kreisau möglich ist. In Zusammenarbeit mit Horizont e.V., dem deutsch-polnischen Netzwerk ehemaliger Freiwilliger, fand im Sommer ein einwöchiger Zirkusworkshop für Kinder der Schulen aus dem deutsch-polnischen Grenzgebiet statt. Die Erfahrung zeigt, daß gemeinsamer Schulbesuch die bestehenden Hemmnisse zwischen deutschen und polnischen Kindern kaum abbaut. Gemeinsame Freizeiterfahrungen sind eine wichtige Ergänzung. In Kreisau bestand die Möglichkeit, sich bei Jonglierworkshops und Einradfahren besser kennenzulernen. Traditionell ist der Künstlerische Sommer ein Höhepunkt des Kreisauer Jahres. Mehr als 100 Teilnehmer aus 10 europäischen Ländern erfüllten Kreisau mit einer kreativen Atmosphäre, die auch bei den wenigen deutschen Jugendlichen tiefe Eindrücke hinterlässt. Auch für 2004 wird der Künstlersommer vorbereitet. Werbung zu machen ist nicht verboten! Sehr erfolgreich arbeitet auch die Kreisauer Gedenkstätte dank der Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung. In Zusammenarbeit mit Schulen, der Jugendbegegnungsstätte oder anderen Organisationen werden historische Programme vorbereitet und begleitet. Die Gedenkstätte beschäftigt eine Halbtagskraft für ihre Bibliothek und es gibt erste publizistische Tätigkeiten. Im Sommer konnten die ersten Stipendiaten aus dem Förderprogramm der Mercator-Stiftung für drei Monate im Berghaus einziehen. Wissenschaftler aus den Bereichen Geschichte und Literatur, sowie Künstler aus den verschiedensten Teilen Mitteleuropas wechseln sich jetzt unter dem Dach des Berghauses ab. Für Kreisau bedeutet dies eine große Bereicherung, da die Stipendiaten mit Vorträgen und Ausstellungen kleine Glanzlichter ins Kreisauer Leben bringen. Im Jahr 2003 wurden die offiziellen deutsch-polnischen Beziehungen auf eine harte Probe gestellt. Neben den Streitpunkten beim Irakkrieg und dem Scheitern der EU-Verfassung am Einspruch Polens sorgte eine breite und teilweise ins Demagogische ausufernde Debatte über das sog. Zentrum gegen Vertreibungen für Verstimmung. Die Stiftung Kreisau hat darauf reagiert und ihre Position in einer Erklärung zum Ausdruck gebracht. Ein Zitat daraus ist in diesen Mitteilungsblättern abgedruckt. Die Gedenkstätte veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Freunde Kreisaus und dem Büro für politische Bildung des Istytut Pamiêci Narodowej einen historischen Wettbewerb zum Thema »Umgesiedelt, vertrieben... Erinnerungen«. Dabei sind Jugendliche aufgefordert die Erlebnisse ihrer Großeltern aufzuzeichnen. Im Zusammenhang damit fand auch eine Schulung zu Zeitzeugengesprächen statt. Dies ist nur ein kleiner Auszug über die Programme und Veranstaltungen in Kreisau. Mehr Informationen finden Sie im Internet auf den Seiten der Stiftung Kreisau. Sie können sich auch an gerne an mich sowie an das Berliner Verbindungsbüro zur Stiftung Kreisau wenden. Die Adressen finden Sie unten. Die Stiftung Kreisau befindet sich in einer sehr schwierigen Umbruchsphase, aber die momentane Entwicklung stimmt optimistisch. Wir wünschen der Stiftung motivierte Mitarbeiter, deutlich mehr Geld und in ihrer wichtigen Arbeit weiter viel Erfolg!

Oliver Engelhardt

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Veranstaltungshinweise

 

Einkehrtag der Kreisau-Initiative in Würzburg

Am 8.Mai 2004 findet von 11 bis 18 Uhr ein Einkehrtag unseres Vereins in Würzburg statt. Thema sind die Inhalte und Ziele unserer Vereinsarbeit. Ab 11 Uhr wollen wir in einem "Brainstorming" Ideen sammeln und ordnen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen hält gegen 14.30 die Historikerin Dr. Antonia Leugers (die auch Mitglied der Kreisau-Initiative Würzburg ist), einen Impulsvortrag zum Thema "Antisemitismus gestern und heute". Im Anschluß daran wollen wir auf der Basis des am Vormittag Besprochenen zu Schlüssen über unsere weitere Arbeit kommen. – Der genaue Ort wird noch rechtzeitig via e-mail bekanntgegeben und kann Anfang Mai auch beim Vorsitzenden telefonisch erfragt werden (0931-4 52 72 16). Anmeldung erbeten an: gregor-wolf@gmx.de oder d. genannte Tel.Nr.

Das Thema des Vortrags zum Einkehrtag wurde während einer Vorstandssitzung gefunden: Es scheint gerade in Deutschland eine gewisse dauerhafte Aktualität und Brisanz zu besitzen, da in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder deutsche Politiker über dieses Thema regelrecht "zu Fall kamen". Die Fälle Möllemann und Hohmann sowie die Walser-Rede, die im Herbst 2003 von Susan Sonntag wieder aufgegriffen wurde, machen deutlich, daß hierzu in Deutschland nach wie vor ein Diskussionsbedarf besteht, der weder durch geschliffene Reden noch durch oberflächliche Verurteilungen der einen wie der anderen Seite so einfach zu beseitigen ist.

Maikonferenz in Kreisau

Aus Anlass eines internen Jahrestages - 10 Jahre Jugendbegegnungen im Pferdestall - wollen wir uns bei der diesjährigen Maikonferenz vom 20.-23. Mai 2004 dem Thema »Perspektiven des deutsch-polnischen Jugendaustausches in der erweiterten Europäischen Union« widmen. Nach der letzten Maikonferenz 2002 wurde aus dem Kreis der Freunde und Förderer Kreisaus der Wunsch geäußert, diese jährlichen Treffen nicht ausschließlich als thematische Tagungen zu planen, sondern als Forum des Austauschs über die Entwicklungen und Perspektiven der Stiftung Kreisau zu öffnen. Nach den vielen Veränderungen in 2003 denken wir, dass gerade die Maikonferenz 2004 ein guter Zeitpunkt ist, um sich für dieses Thema Zeit zu nehmen. - Mit der Kreisau-Initiative Würzburg wollen wir gemeinsam zur Maikonferenz nach Kreisau fahren. Informationen zur Abfahrt in Würzburg/Nürnberg sowie Anmeldung bei Franz Fisch, Tel. 0911-73 60 310.

Künstlerischer Sommer 2004 in Kreisau

Der internationale zweiwöchige Kunstworkshop, der Sommer in Kreisau , gehört bereits zur Tradition der IJBS. Seit sieben Jahren kommen junge Künstler und Kunstinteressierte, um ihre Interessen und Fähigkeiten in einer international zusammengesetzten Gruppe zu entwickeln, andere junge Men-schen und deren Kulturen kennenzulernen, neue Freunde zu gewinnen. Die 90 bis 110 Teilehmer des Sommers, die jedes Jahr in Kreisau zusammen arbeiten, reisen aus ganz Mitteleuropa an, im letzten Jahr aus acht verschiedenen Ländern. Im Rahmen des Sommers bieten wir mehrere Kurse an. In diesem Jahr sind es: Grafik, Malerei (Aquarelle), Pantomime, Theater, Tanz und Kammermusik. Die Kurse werden von erfahrenen Künstlern aus Polen und aus Deutschland geleitet. Termin: 14.-28. Juli 2004

Informationen im Sekretariat der IJBS, Rafal B. Dzimira, mdsm@krzyzowa.org.pl oder Tel. 0048-74-8500340

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Kreisau-Initiative e.V. Würzburg

Für diese Mitteilungsblätter verantwortlicher Redakteur: Gregor Wolf.

Adressen der Vorstandschaft:

1.Vorsitzender: Gregor Wolf, Bornbachsteige 9, 97218 Gerbrunn,
Tel. 0931- 4 52 72 16
gregor-wolf@gmx.de

2. Vorsitzender: Franz Fisch, Berlinstr.20, 90766 Fürth,
Tel. 0911 – 73 60 310, Fax 0911 – 73 60 312
franz-fisch@web.de

Kassier: Andreas Schreck, Merkelstr.27j, 37085 Göttingen,
Tel. 0551 – 38 19 461, Fax 0551 – 38 19 462

Schriftführer: Oliver Engelhardt, Tel. 0042 - 0 – 235 511 244 (Prag)
oliver.engelhardt@gmx.de

Beisitzerin: Helga Berbig, Egerlandstr.2, 97209 Veitshöchheim,
Tel. 0931 – 9 77 86
helgaberbig@gmx.de

Beisitzer: Andreas Möckel, Von-Luxburg-Str.9, 97074 Würzburg,
Tel. 0931 – 8 32 85, Fax 0931 – 8 59 53
moeckel@mail.uni-wuerzburg.de

 

Mitgliedsbeitrag :

Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 15 Euro. Studenten und Arbeitslose zahlen die Hälfte, also 7,50 Euro. Der Betrag ist steuerabzugsfähig.

Bankverbindung:

Sparkasse Mainfranken Würzburg, Kto.-Nr. 420 320 11, BLZ 790 500 00.

 

Kontakt nach Kreisau/Krzyzowa:

Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung

Krzyzowa 7

58-112 Grodziszcze

Polen

Tel: 0048-74-8500123

www.krzyzowa.org.pl

Verbindungsbüro zur Stiftung Kreisau

Frau Agnieszka von Zanthier

An den Treptowers 3

12435 Berlin

Tel: 030-538363-60

E-Post: avz-berlin@kreisau.de

www.kreisau.de (Kreisau-Initiative Berlin)

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