Kreisau / Krzyżowa

 

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Europäische Akademie

 

Europäische Akademie

Treffen wir uns im Herzen Europas
Konzeption für die Europäische Akademie Kreisau (Auszug)

1. Grundlagen

(...) In Europa geht es heute um:

  • den Aufbau von demokratischen Gemeinwesen, die imstande sind, unterschiedliche Strömungen im Sinn der Toleranz zu integrieren.
  • Stärkung der persönlichen Verantwortung gegenüber Kollektivismus und Gleichmacherei.
  • Befähigung der Menschen, mit den veränderten ökonomischen Verhältnissen umzugehen.
  • Überwindung der rücksichtslos vertretenen Partikularinteressen zugunsten von Kompromissen und bei der sozialen Gestaltung der Gesellschaft.
  • Aufbau der gesellschaftlichen Achtung vor der Autorität des Rechtsstaats und Stärkung der Zivilcourage.
  • Schutz der Minderheitenrechte, die durch das Dominanzstreben einer Mehrheit gefährdet sind; die Minderheit ist zur Loyalität dem Staat gegenüber verpflichtet, in dem sie ansässig ist.
  • Konfliktlösungen für den Fall, daß verschiedene ethnische und religiöse Gruppen um die Erfüllung ihrer Ansprüche und um den Rang ihrer Werte miteinander ringen.
  • Das Verständnis für die jeweils andere Kultur und die Förderung des kulturellen Austauschs.

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Während der Bauarbeiten - in der Mitte das heutige Gästehaus der Akademie

2. Inhalte der Akademiearbeit

Verpflichtung gegenüber dem genius loci
In enger Abstimmung mit der Funktion des Berghauses und der Dauerausstellung im Schloß weiß sich die Europäische Akademie in ihrer Tätigkeit dem genius loci verpflichtet. Sie sieht es als eine ihrer vordringlichen Aufgaben an, Konferenzen zu Teilaspekten des Kreisauer Kreises einzuberufen, die Grundideen der Kreisauer zu vermitteln, ihre Denkanstöße auf ihre Relevanz für die Gestaltung eines neuen Europas zu prüfen, die Zivilcourage als unabdingbare demokratische Grundhaltung zu würdigen sowie den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die Auflehnung gegen die kommunistischen Systeme in Mittel- und Osteuropa bewußt zu halten.

Erkundung der Kulturlandschaft Schlesien
Schlesien hat in seiner über 1000jährigen Geschichte unter den unterschiedlichsten Herrschaftsformen einen bedeutenden Beitrag zur europäischen Kultur geleistet. Das Ende des Zweiten Weltkrieges mit dem schweren Schicksal der doppelten Vertreibung - der Vertreibung der Deutschen aus Schlesien sowie der Ansiedlung der aus dem Osten Polens vertriebenen Polen in Schlesien - bedeutet einen tiefen Einschnitt in die Kontinuität des schlesischen Kulturraums. Aufgrund einer von der kommunistischen Regierung nach 1945 verfolgten Politik wurden die Spuren deutscher Vergangenheit weitgehend verwischt, wenngleich es von Anfang an Bemühungen polnischer Denkmalpfleger gegeben hat, das deutsche Kulturerbe zu erhalten. Mit dem Ende der kommunistischen Herrschaft zeigt sich in Schlesien eine allgemeine Tendenz, die deutsche Vergangenheit als Teil der eigenen Geschichte zu verstehen. Mit der Wahrung des deutschen Kulturerbes verbindet sich der aktive Anteil der heute in Schlesien lebenden Polen, die in der Nachkriegszeit dieser Kulturlandschaft eine eigene Prägung gaben. Dieser Prozeß ermöglicht Deutschen und Polen eine neue Form wechselseitiger Begegnung und Erkundung Schlesiens. Dem will die Europäische Akademie in Form von Studienfahrten, Exkursionen, Kulturaustausch, Tagungen, historischen Seminaren, Kolloquien und sonstigen Veranstaltungen dienen.

Unterstützung der regionalen Entwicklung und Förderung regionaler Europaprojekte
Das nur 30 km von Kreisau entfernte Waldenburger Industriegebiet gehört zu den am härtesten von dem wirtschaftlichen Umbruch betroffenen Gebieten ganz Polens. Die Integration Polens und des nahegelegenen tschechischen Staates in den europäischen Binnenmarkt stellt für diese Länder eine zusätzliche immense Herausforderung dar und erfordert schon heute schmerzhafte Anpassungsprozesse. Die Europäische Akademie soll zu einem Ort werden, wo man über den künftigen Platz der Region in Europa nachdenkt und ihre Chancen herausarbeitet. Bei der Suche nach sozialverträglichen Lösungen für die notwendige Umstrukturierung der gesamten Region, einzelner Gebiete oder bestimmter Städte, Dörfer und Gemeinden fördert sie örtliche Initiativen. Seminare, Workshops und Fortbildungsveranstaltungen sollen für die verschiedenen Berufsgruppen veranstaltet werden.

Vermittlung von Wissen über die Europäische Union
Polen und die übrigen ostmitteleuropäischen sowie baltischen Staaten befinden sich auf dem Weg in die Europäische Union. Durch den Mangel an Transparenz der Strukturen der Union, der Unabschätzbarkeit der Folgen eines möglichen Beitritts sowie aufgrund der anstehenden Strukturveränderungen können innerhalb der Europäischen Union sowie in den Beitrittsländern viele Ängste und Vorbehalte gegenüber einer Osterweiterung der EU geweckt werden. Zudem besteht ein allgemeines Defizit an Informationen bezüglich der Entwicklung, der Strukturen sowie der Zielsetzungen der EU. Damit ergibt sich für die Europäische Akademie als besondere Aufgabenstellung, diesem Defizit durch Tagungen und Konferenzen entgegenzuwirken sowie den Prozeß der Osterweiterung der EU kritisch zu begleiten. Diesem Ziel dient u.a. das von der Stiftung seit 1994 angebotene Europastudium für Hochschulabsolventen.

Fortbildungsveranstaltungen für Führungskräfte
In einer sich ständig wandelnden Gesellschaft wachsen die Ansprüche an Führungskräfte und ihr interdisziplinäres Vermögen. Über die berufliche Kompetenz im engeren Sinne hinaus verlangt die Gesellschaft von Führungskräften zunehmend erweiterte Fähigkeiten. Dabei soll die Europäische Akademie Hilfen anbieten in Form von Kursen zum Beispiel zu:

  • Management, Personalführung, Arbeitsrecht für Führungskräfte auf allen gesellschaftlichen Ebenen
  • Vermittlung kultureller Werte und Förderung der Kreativität durch Begegnung mit der Kunst

Kontinuierliche Arbeit an deutsch-polnischen Problemfeldern
Obwohl seit der politischen Wende sowohl der systembedingte als auch der nationale Antagonismus im deutsch-polnischen Verhältnis überwunden ist, gibt es in der Phase der Normalisierung der beiderseitigen Beziehungen weiterhin Problemfelder. Das deutsch-polnische Verhältnis verlangt daher bei immer wieder auftretenden Konflikten und Irritationen einen kontinuierlichen Reflexionsprozeß. Die Europäische Akademie Kreisau versteht sich angesichts oft nicht aufgearbeiteter Probleme als Dialogforum, auf dem die deutsch-polnischen Beziehungen bedacht werden können sowie als Plattform für einen der wechselseitigen Verständigung dienenden deutsch-polnischen Dialog. (...)

Gesamteuropäischer Diskurs
Die in dem europäischen Umbruch eröffnete Chance eines gesamteuropäischen Einigungsprozesses verlangt einen ost-westlichen Europadiskurs, den zu fördern die Europäische Akademie Kreisau als ihre Aufgabe ansieht. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit wir in Ost und West im Europaverständnis übereinstimmen und welche geistig-kulturellen Grundlagen angesichts kultureller Vielfalt und unterschiedlicher nationaler, ethnischer, sozialer und ökonomischer Bedingungen als unabdingbar erscheinen. (...) Die Europäische Akademie weiß sich zudem einem Europa verpflichtet, das sich nicht gegenüber den Ländern der sog. "Dritten Welt" abschottet. Der gesamteuropäische Diskurs bedarf daher einer Ergänzung um die Nord-Süd-Perspektive.

Dialog zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen, religiösen, ethnischen und nationalen Gruppen
Der Prozeß der Demokratisierung ist mit einer Pluralisierung der Gesellschaft verbunden. Diese birgt die Gefahr einer Polarisierung und Partikularisierung in sich. Um ihr zu begegnen, ist ein Dialog der unterschiedlichen gesellschaftlichen, religiösen, ethnischen und nationalen Gruppen unabdingbar. Im Geiste der Kreisauer möchte die Europäische Akademie die unterschiedlichen Gruppen zum Dialog zusammenführen, um damit einen Beitrag zur politischen Kultur zu leisten. (...)

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